DURCHGECHECKT – ADVENTSSPECIAL: Sami Kaartinen

Kathrin_klein  | Autor: Kathrin Wolf |

In Finnland ist das Wetter so, wie man es erwartet: Minusgrade und es liegt Schnee. Sami Kaartinen wird mit seiner Familie also weiße Weihnachten feiern können. Seit seinem Karriereende lebt er in Kuopio, einer Stadt im Osten Finnlands, eine knappe Flugstunde von Helsinki entfernt.

 

Foto: Grit Büttner
Foto: Grit Büttner

Sami Kaartinen hat jetzt Zeit für seine Familie und er genießt es: „Wir sind zwar beschäftigt, aber wenn ich am Ende des Tages nach Hause komme, ist meine Familie da. Es ist toll, meine Kinder aufwachsen zu sehen und mitzuerleben, wie sie neue Dinge lernen.“ Jetzt hat er auch zum ersten Mal die Möglichkeit, zu den Feiertagen zu Hause und für die Familie da zu sein. „Ich liebe diese Atmosphäre zu Weihnachten“, erzählt er. „Familien kommen zusammen, entspannen und genießen die Zeit mit den Menschen, die sie lieben.“ Der 37-Jährige feiert Weihnachten mit der gesamten Familie, mit den Großeltern und dem Bruder seiner Frau Siru in seinem Haus in Kuopio. Es wird ein großes Weihnachtsessen geben, gemischt aus modernen und traditionellen finnischen Gerichten. Es gibt, typisch finnisch, eine Weihnachtssauna. Und Santa wird kommen um alle zu besuchen und hoffentlich viele Geschenke mitbringen. „Ich liebe es zu sehen, wie meine Kinder aufgeregt sind von Weihnachten, von Santa und von den Geschenken, die sie bekommen. Das Glück meiner Kinder und das Lächeln auf ihren Gesichtern ist das Schönste für mich, wenn ich an Weihnachten denke“, sagt der ehemalige Stürmer der Dresdner Eislöwen.

img_0072Sein Abschied aus Dresden liegt jetzt über drei Monate zurück. Am ersten Spieltag der DEL2-Saison wurde der Rekordtorschütze der Eislöwen mit einer sehr emotionalen Zeremonie verabschiedet und das Trikot mit seiner Rückennummer unter das Hallendach gezogen. Sami Kaartinen denkt noch oft daran zurück: „Fast jeden Tag kommen mir bestimmte Situationen und Einzelheiten wieder in den Sinn. Ich bin glücklich, dass es so ist und ich den Moment, den Tag und das ganze Wochenende für immer und immer in meinen Gedanken habe. Für mich war alles unvergesslich, unrealistisch, voller Emotionen, ich fühlte mich so geehrt. Es ist der größte Moment, den man als ehemaliger Eishockeyspieler erleben kann, wenn du auf dem Eis stehst, dein Trikot unter das Dach gezogen wird und zu hören, wie die Fans dich feiern. Ich war so glücklich, dass ich meine Rede halten und mich bedanken konnte. Das lag mir sehr am Herzen.“

Diesem Moment voraus gegangen war allerdings eine lange Zeit des Wartens, des Hoffens, des Bangens und harter Arbeit. „Nach meiner zweiten Operation hatte sich der Zustand meiner Hand nicht verbessert“, erinnert sich Sami. „Als ich dann das erste Mal auf dem Eis stand und versuchte zu spielen, zuckte zum ersten Mal kurz der Gedanke auf, dass es vielleicht vorbei sein könnte. Ich war trotzdem zuversichtlich, aber tief in mir drin war dieser Gedanke da. Gewissheit hatte ich dann nach meiner letzten Operation. Ich musste den Rest Hoffnung aufgeben. Es hat eine lange Zeit gedauert, bis ich auch offiziell sagen konnte, dass ich meine Karriere beenden muss. Es war eine sehr traurige und harte Entscheidung, aber auch die einzige, die ich treffen konnte.“

In der letzten Saison konnte man Sami Kaartinen schon in einer anderen Rolle erleben. Als eine Art Co-Trainer stand er bei jedem Spiel hinter der Bande und blieb so ein Teil der Mannschaft. „Diese Zeit hat mir sehr geholfen, alles zu akzeptieren“, sagt der 37-Jährige. „Ich habe in dieser Zeit gelernt, Freude am Eishockey zu haben, ohne selber auf dem Eis zu stehen und Tore zu schießen.“ Auf die Entscheidung, seine Karriere zu beenden, hatte diese Zeit und diese Erfahrungen jedoch keinen Einfluss. „Ich hatte keine Wahl. Aber es hat das Leben „danach“ ungemein erleichtert. Ich habe dadurch gewusst, in welche Richtung mein Leben gehen wird.“

Foto: Grit Büttner
Foto: Grit Büttner

Für diese Einsicht ist er den Trainern Thomas Popiesch und Bill Stewart sehr dankbar. Sie zeigten ihm, was er für andere Spieler sein kann und was er ihnen geben kann. Das hat ihm die Augen geöffnet. Als Headcoach sieht er sich in der Zukunft nicht, aber er glaubt, seinen Coaching-Bereich gefunden zu haben. Er probiert sich bereits aus. Beim jährlichen Sommer-Camp in Kuopio ist er im Arbeitspraktikum für sein Studium als Coach für Athletik, Fähigkeiten und Technik tätig und gibt 18-21jährigen Profispielern sein Wissen weiter. Derzeit konzentriert er sich voll auf sein Studium, was er schon 2008 begonnen hat, aber durch seine Zeit in Dresden nicht weiterführen konnte. In zwei Jahren will er sein Diplom in der Tasche haben. Er gibt ehrlich zu, dass er zurzeit weniger Freizeit hat als in seiner Zeit als Profisportler.

Viel Unterstützung bekam er auch von einer anderen Seite. Seine Frau Siru war immer für ihn da und hat ihn immer wieder aufgefangen. „Sami ist so ein positiver Mensch, das macht es leichter, ihn auch in schweren Zeiten zu unterstützen“, sagt sie. „Als er verletzt war, konzentrierte er sich nicht nur auf den negativen Aspekt, sondern sah auch das positive in dieser Situation. Es gab nichts, was er hätte tun können. Nur eben seine weiteren Möglichkeiten zu entdecken und so diese für ihn große Veränderung einfacher zu handhaben. Außerdem haben wir ja nicht nur das „Eishockeyleben“ als Familie. Es gibt noch so viele andere wunderbare Dinge in unserem Leben.“

Zu Dresden wird Sami Kaartinen immer eine besondere Beziehung haben. „Als ich in damals in der Schweiz keinen neuen Vertrag erhielt, wollte ich nicht nach Finnland zurück“, erzählt Sami. „Thomas Popiesch und Steffen Ziesche (Anm.: Trainer und Sportmanager der Eislöwen zu diesem Zeitpunkt) zeigten damals Interesse an mir und ich entschloss mich, nach Dresden zu kommen. Und es war rückblickend noch besser als die perfekte Entscheidung. Vom ersten Tag an fühlte ich etwas Besonderes in Dresden. Es war die ganzen sieben Jahre der perfekte Platz für mich und meine Familie. Es hätte keinen besseren geben können. Meine Kinder verbrachten hier die ersten Jahre ihres Lebens und ich bin sicher, dass auch sie zu einem späteren Zeitpunkt ihres Lebens diese Zeit in Dresden schätzen werden. Natürlich waren die ersten Jahre, als ich mit Patrick Jarrett zusammen spielte, die besten. Das war genau das, was ich mir von einer Eishockey-Karriere erträumt hatte. Zu Beginn meiner Laufbahn habe ich oft den Verein gewechselt, um den besten Platz für mich zu finden. In Dresden habe ich ihn gefunden.“

Foto: Grit Büttner
Foto: Grit Büttner

Es verwundert nicht, dass er noch Kontakt zu einigen seiner ehemaligen Mannschaftskameraden hat. Er schaut die Spiele „seiner“ Eislöwen auf SpradeTV. „Ich werde immer für die Eislöwen jubeln“, ist er sich sicher und verschweigt auch nicht, dass es nicht ganz so einfach ist, die Spiele von zu Hause aus zu sehen. Er vermisst es schon, das Spiel auf dem Eis, die Gespräche in der Kabine, sich körperlich voll auszupowern und an seine Grenzen zu gehen. Aber er kann sich sicher sein: auch in Dresden wird er vermisst und er wird, wenn er kommt, mit offenen Armen empfangen werden.

Sami ist kein Mensch, der sich in Selbstmitleid verliert und der nur zurück blickt. Sein neues Leben hat gut begonnen. Er weiß, was er von der Zukunft will und arbeitet daran, dass es auch so wird, wie er es plant. Und er ist glücklich: „Für uns war die Zeit jetzt wie eine Art Flitterwochen“, meint er. „Und nun werden wir sehen, wie das Leben dahinter wird.“

Sami Kaartinen ist angekommen in seinem „Leben danach“. Und ich kenne keinen, der sich nicht für ihn darüber freut.

 

 

 

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