BANDENCHECK: Thomas Frenzel (Schiedsrichter-Beobachter)

Dirk_Artikel | Autor: Dirk Hausmann |

Am Rande des DEL2-Spiels zwischen den Heilbronner Falken und den Starbulls aus Rosenheim trafen wir den Schiedsrichter-Beobachter Thomas Frenzel zu einem kurzen Bandencheck-Interview.

 

Foto: www.deb-schiedsrichter.de
Foto: www.deb-schiedsrichter.de

Hallo Thomas, vorweg eine einfache Frage: Was macht ein Schiedsrichter-Beobachter?

Wir beobachten und coachen die Schiedsrichter (lacht). Im Grund ist es so, dass wir die Leistung der Schiedsrichter analysieren. Dazu haben wir vorgefertigte Formulare, so dass wir einen einheitlichen Standard haben, an den sich alle Schiedsrichter-Beobachter halten. Wir loben die Schiedsrichter für gute Leistungen und kritisieren bei Fehlern. Sowohl vor dem Spiel, als auch in den Drittelpausen und nach der Schlusssirene setzen wir uns kurz mit ihnen zusammen und geben ein erstes Feedback. Darüber hinaus nutzen wir z.B. die Bilder von sprade-TV, um auch in der Woche nach dem Spiel die Leistungen zu besprechen und zu analysieren. Ich bin in ständigem Kontakt und Austausch mit unseren Schiedsrichtern.

Seit dieser Saison gibt es in der DEL2 den Videobeweis. Seid ihr mit der Umsetzung zufrieden?

Wir sind sehr zufrieden. Hier ist es auch mal angebracht den Teams der DEL2 zu danken, dass sie die Umsetzung ermöglicht haben. Immerhin haben die Teams die Kosten getragen, um die Kameras und die gesamte Technik zu installieren. Aktuell liegen wir bei ca. 0,4 Videobeweisen pro Spiel. In ca. 75 % der Fälle wird durch den Videobeweis die getroffene Entscheidung auf dem Eis bestätigt.

Was dürfen die Schiedsrichter eigentlich überprüfen?

Alles, was mit dem Erzielen eines Tores zusammenhängt. Die klassische Entscheidung ist dabei natürlich, ob der Puck die Torlinie überschritten hat oder nicht. Allerdings darf auch überprüft werden, ob der Puck durch einen Schläger oder beispielsweise einen Schlittschuhkick ins Tor gelangte. Ob ein hoher Stock oder ein Fall des „men in the crease“ vorlag oder auch ob der Puck vom Schiedsrichter ins Tor gelenkt wurde. Bei dem Thema „men in the crease“ ist, auch auf Grund der jüngsten Geschehnisse, anzumerken, dass Tore durchaus gelten können, obwohl ein Spieler im Torraum stand. Entscheidend ist immer, was macht er. Wenn er den Torwart weder in seiner Bewegung noch in seiner Sicht behindert oder er in den Torraum gecheckt wurde und alles getan hat, dies zu verhindern oder wieder aus dem Torraum heraus zu kommen, ist es ein regulärer Treffer, obwohl er im Torraum stand.

Wie kann man denn einen hohen Stock mit der Übertorkamera erkennen?

Gar nicht. Deswegen haben die Schiedsrichter der DEL2 auch Zugriff auf den Mitschnitt, den u.a. auch sprade-TV für seine Übertragungen nutzt und können dort die normalen Bilder der Führungskamera sehen. Gibt es eine Hinter-Tor Kamera, so kann auch diese genutzt werden.

Für viele sind die vorhandenen Eishockeyregeln komplex und zeitweise verwirrend. Wäre es nicht mal Zeit, die Regeln aufzuräumen?

Das wird regelmäßig gemacht. Normalerweise gibt es alle zwei Jahre Änderungen. Man passt einige Regeln an, streicht andere oder ändert z.B. die Formulierung, um den Schiedsrichtern auf dem Eis eine deutlichere Umsetzung zu ermöglichen. Die letzten Anpassungen gab es im Jahr 2016, eine komplette Neufassung des Regelbuchs gab es 2014.

Thomas, vielen Dank für Deine Zeit!

Sehr gerne!

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