NACHGECHECKT: Online-Petition zum geregelten Auf-und Abstieg

Kathrin_klein | Autor: Kathrin Wolf |

 

Michael Bremenfeld ist 35 und liebt Eishockey. Seit 23 Jahren ist er Fan der Düsseldorfer EG und unterstützt seine Mannschaft in guten und schweren Zeiten. Auch ihn beschäftigt wie viele andere Fans der nicht existierende Auf- und Abstieg zwischen DEL und DEL2. Er will jedoch in dieser Hinsicht nicht nur abwarten, sondern selber etwas bewegen. Eine Online-Petition soll dabei helfen.

 

 

12987157_1331689713524474_7569332900156621632_nMichael, was hat dich bewogen, eine Online-Petition zu starten?

Ich verfolge das deutsche Eishockey seit nunmehr zwanzig Jahren und in dieser Zeit wurden die Fans in Sachen geregelter Auf- und Abstieg immer wieder vertröstet. So auch jetzt. Auf dem Papier ist alles klar, umgesetzt wird es nicht. Viele Fans haben bei diesem Thema bereits resigniert, andere versuchen, ihre Enttäuschung mit Ironie und Sarkasmus wegzustecken. Ich gehöre jedoch zu denjenigen, die etwas tun möchten.

Man stelle sich doch nur vor, ein großer Smartphone-Hersteller würde ein tolles Produkt groß ankündigen, den Verkauf aber nicht starten. Wie lange würde es dauern, bis die potentiellen Käufer zu einem anderen Anbieter wechseln?

Es gab in der Vergangenheit schon einige Online-Petitionen zu diesem Thema, aber ich erinnere mich nicht, dass jemals eine an die Verantwortlichen übergeben wurde. Meine Petition fordert die zeitnahe Umsetzung aller Punkte, die auf dem Papier bereits geregelt sind. Sie ist außerdem an alle Gesellschafter, die die Richtung vorgeben und außerdem an die Geschäftsführer, die die Vorgaben umsetzen sollen, gerichtet. An diesen Personenkreis wird sie auch übergeben werden, dies ist ein fester Bestandteil des geplanten Petitionsverlaufs.

 

Warum ist der Auf- und Abstieg für die Fans so wichtig?

„Im Grunde geht es doch vom ersten Spieltag an nur um die Goldene Ananas“, ist die Meinung vieler DEL2-Fans. Manche gehen sogar noch weiter und empfinden das Ganze als Wettbewerbsverzerrung. Überspitzt gesagt: jedes DEL-Team, das wer weiß wie abgeschlagen zum Ende der Saison auf dem letzten Platz liegt ist mit der momentanen Regelung besser gestellt als eine DEL2-Mannschaft, die gerade im Playoff-Finale eine Reihe von Siegen hingelegt und den Titel erkämpft hat. Eine Perspektive fehlt hier komplett. Hinzu kommt, dass es in den meisten Sportarten in Deutschland einen Auf- und Abstieg gibt. Es gehört nicht nur zum allgemein gesellschaftlich anerkannten Leistungsprinzip dazu, der Sport wird dadurch auch einfach interessanter und spannender. Aber als Eishockeyspieler in der DEL2 muss man sich schlicht mit dem Umstand abfinden. Wenn man in der 2. Bundesliga Meister wird, hat es sportlich keinen Wert. Gleichzeitig finden es einige Fans der DEL langweilig, immer gegen die gleichen Gegner zu spielen. Ein endlich in die Praxis umgesetzter Auf- und Abstieg würde in vielen Bereichen für mehr Attraktivität sorgen. Der letzte (wenn auch nicht sportliche) Aufsteiger, die Fischtown Pinguins Bremerhaven, wurden gleich als Sonderzug-Ziel ausgewählt. Ein Sponsor, der mit seiner Unterstützung einer Mannschaft den Aufstieg ermöglicht, kann damit werben und so sein Produkt noch besser vermarkten.

Die bisherigen Unterzeichner der Petition geben zudem noch andere Gründe an. So ist in der DEL für die Mannschaften am unteren Tabellenende, wenn sie keine Chance mehr haben, die Pre-Playoffs zu erreichen, die Saison frühzeitig beendet. Oft beginnt dann schon der Ausverkauf der Teams, weniger Zuschauer kommen. Daraus folgend werden weniger Einnahmen generiert. Wer schaut sich schon die letzten Spiele einer Mannschaft an, für die es um nichts mehr geht? Die eingefleischten Fans sicherlich, aber darüber hinaus? Wenige…

 

Michael Bremenfeld - Initiator der Online-Petition (Foto: privat)
Michael Bremenfeld – Initiator der Online-Petition (Foto: privat)

Ist das Verhalten der DEL für dich nachvollziehbar?

Diese Frage kann man nicht mit einem einfachen ja oder nein beantwortet.  Zunächst: wer ist „die DEL“ überhaupt? Im Fokus steht hier Geschäftsführer Gernot Tripcke, der letztlich das auszuführen hat, was die Gesellschafter der Vereine von ihm mehrheitlich wollen. Jeder Verein hat wiederum seine eigenen Ziele, welche als Grundlage der eigenen Forderung dienen. Ziele, die seitens der DEL nach Beschluss der Verantwortlichen ausgegeben werden, sind einmal mehr, einmal weniger nachvollziehbar. Der geregelte Auf- und Abstieg ist vertraglich fixiert. Was nicht nachvollziehbar ist, dass beide Vertragspartner  nicht an einem Strang ziehen, sondern sich oft medienwirksam gegenseitig Steine in den Weg legen. Auch gegenseitige Schuldzuweisungen sind nicht nachvollziehbar, wenn man ein gemeinsam definiertes Ziel erreichen will.

 

Wie findest du die Entscheidung der DEL2, vor das Schiedsgericht zu gehen?

Wenn in einem ersten und zweiten Schritt zwischen zwei Vertragspartner keine außergerichtliche Einigung erfolgt, dann ist die logische Konsequenz, den Rechtsweg zu suchen. Dass dies ein deutlich schlechterer Weg ist als die direkte Zusammenarbeit, welche in eine einvernehmliche Lösung mündet, ist hierbei ganz klar.

 

Wenn der Auf- und Abstieg ständig torpediert wird, wäre es nicht sinnvoll, einen Break zu machen und sich am nordamerikanischen Modell zu orientieren? Würde das deiner Meinung nach in Deutschland funktionieren?

 

Letztlich kann man die Meinung und die Wünsche der Fans nicht ignorieren, wenn man ein wirtschaftlich positives Ergebnis erzielen will. Denn sie bringen das Geld in die Eishallen und sollen die Produkte/Dienstleistungen der Sponsoren kaufen. Denn das Sponsoring ist eine Haupteinnahmequelle, sieht man mal von den Gesellschafterzuschüssen ab. Sicherlich könnte man sich am amerikanischen Modell orientieren und sicher würde es irgendwie funktionieren. Aber will man dieses „Irgendwie“? Bei der Gründung der DEL 1994 wurden bereits viele nordamerikanische Elemente eingeführt. Aber 23 Jahre später muss auch dem letzten klar sein, dass Deutschland bzw. Europa ein völlig anderer Markt als Nordamerika ist. Fußball ist hier die unangefochtene Nummer Eins. Stellen wir doch mal die Umkehrfrage: würde das deutsche Modell in Nordamerika funktionieren? Die Antwort ist ein klares „NEIN“! Es muss HIER ein eigener Weg gefunden werden, den Eishockeysport neben der „Übermacht“ Fußball fest und besser zu etablieren. Ein erfolgreiches System für einen komplett anderen Markt nach Deutschland kopieren zu wollen ist für mich nicht nur als Fan sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht der falsche Weg. Es gibt in Sachen Sportveranstaltungen in Deutschland einen Angebotsüberschuss. Dass heißt für die DEL und DEL2, dass diese sich stärker am Markt orientieren müssen. Das Produkt Eishockey muss stärker der Nachfrage angepasst werden und nicht anders herum. Der wichtigste Punkt ist also, einen eigenen Weg zu finden, sich neben Fußball besser zu etablieren, sich in der Attraktivität positiv abzugrenzen und damit die Wirtschaftlichkeit der DEL- und DEL2-Teams zu erhöhen. Das muss die klare Zielvorgabe der Gesellschafter an die von ihnen zur Umsetzung der Aufgaben bezahlten Geschäftsführer sein. Das die Umsetzung nicht leicht ist, ist auch den Fans klar. Aber deshalb ist es umso wichtiger, dass alle Gesellschafter und Geschäftsführer der DEL und DEL2 mit ihren gesammelten Kompetenzen in Synergie zusammenarbeiten, statt, wie oft den Medien zu entnehmen ist, gegeneinander. Wir reden hier von rund 40 Personen, die alle einiges an Know how mit bringen. Wenn man nun noch zusammenarbeitet, dann kann man viel erreichen und einen entscheidenden Schritt nach vorne gehen. Und das gilt nicht nur für den Auf- und Abstieg.

 

Was meinst du, wird das Schiedsgericht eine Entscheidung im Sinne der Verzahnung von DEL und DEL2 treffen?

Das Schiedsgericht wird objektiv die Vertragslage und die Sachlage abgleichen. Welches Ergebnis dabei heraus kommt ist nicht vorhersehbar, weil zu wenig Vertragsdetails bekannt sind. Entscheidend ist, ob DEL und DEL2 bei gleich welcher Entscheidung die konstruktive Arbeit wieder aufnehmen, um ein Ziel zu erreichen, welches von beiden definiert wurde: den geregelten Auf- und Abstieg zwischen Liga 1 und 2.

 

Was, wenn nicht?

Ich will es mal so formulieren: Die Zeiten, wo das Thema Auf- und Abstieg nur während der Sommerpause präsent war und während der Saison darauf vertrauten, dass es umgesetzt wird, sind vorbei. Wir wollen, dass dieses Thema bis zur tatsächlichen Umsetzung im Fokus der Fans bleibt und so der Druck auf die Verantwortlichen steigt. Es wird sicherlich auch noch die eine oder andere Aktion in den Stadien geben. Denn die Ungeduld und das Unverständnis der Fans sind mittlerweile enorm.

 

 

Wer sich engagieren will: Die Online-Petition ist unter hier abrufbar. Zudem gibt es eine Facebook-Gruppe und einen youtube-Beitrag. Jede Unterschrift hilft.

 

This article has 1 Comment

  1. Die Ausführungen von M. Bremefeld sprechen für sich. Es gibt so viele Eishockeyfans in der 2. Liga die den Sport lieben, aber durch die Nichtaufstiegsmöglichkeit frustriert sind. So macht die DEL den Sport mittelfristig kaputt !
    PS: Respekt Michael für dieses Statement als DEL-Fan. Da spricht eben ein echter Eishockeyfan !

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