DURCHGECHECKT im Advent: Frank Awizus (Berlin)

Dirk_Artikel | Autor: Dirk Hausmann |

 

Auch in dieser Adventszeit möchten wir Euch einige Geschichten abseits des Ligenalltags erzählen. Zu Beginn blicken wir nach Berlin und treffen einen, wenn nicht den bekanntestes Schiedsrichter der DEL-Geschichte. In seiner Karriere leitete er mehr als 1500 Spiele und nahm an internationalen Turnieren teil. Er stand kurz davor der erste Profischiedsrichter Deutschlands zu werden, aber dazu sollte es nicht kommen. Wer schon länger Eishockey-Fan ist wird wissen, von wem wir reden: Frank Awizus.

 

 

Frank Awizus - Foto: privat
Frank Awizus – Foto: privat

Herr Awizus, vorab eine einfache Frage: Was machen Sie heute?

Ich bin im Polizeivollzugsdienst beschäftigt. Allerdings bin ich angestellt und nicht, wie es oft heißt, Beamter. Alles, was von der Straße in den Gewahrsam muss, kommt zu uns. Das ist sehr weitreichend vom Mörder, Vergewaltiger bis zum einfachen betrunkenen Autofahrer. Wir arbeiten in 12-Stunden-Schichten und ich kann sagen, in der Hauptstadt zu arbeiten ist stressig. Besonders am Alexanderplatz ist viel los.

 

Das haben Sie auch schon während Ihrer Zeit als Schiedsrichter gemacht?

Ja, seit nunmehr 31 Jahren bin ich dabei. Früher wurde ich für die Spiele vom Dienst freigestellt und das hat gut funktioniert. Dann hat sich am 28.08.2006 mein Leben auf den Kopf gestellt.

Sie sprechen von Ihrem Unfall beim Vorbereitungsspiel in Mannheim und Ihrer schweren Verletzung?

Genau. Damals habe ich mir den Schienbeinkopf gebrochen. Es folgten zwei Operationen und eine ambulante Reha. Da ich allerdings weiterhin Schmerzen im Knie hatte und die Muskulatur sich nicht so aufbaute, wie sie sollte war das dann leider das Ende meiner Zeit als Schiedsrichter. Auch für meine Arbeit brauche ich mein Knie und musste halt entsprechend entscheiden.

Foto: privat
Foto: privat

Wie sind Sie mit diesem unerwarteten und plötzlichen Ende der Karriere umgegangen?

Für mich brach eine Welt zusammen. Ich war kurz davor das machen zu können was ich immer wollte: Mein Hobby zum Beruf. Ich sollte Profischiedsrichter werden und an besagtem Tag war das alles plötzlich zu Ende. Es war schon alles geregelt: Ich hatte die Unterstützung meiner Familie und auch mein Dienstherr hätte mich für die Dauer meiner Laufbahn freigestellt. Nach dem Ende meiner Karriere als Profischiedsrichter hätte ich zur Polizei zurückkehren können. Es war alles geplant, aber es kam eben anders. Ich war später noch als Schiedsrichterbeobachter im Einsatz, aber wenn man im Schichtdienst ist, ist das alles nicht so einfach. Bei Personalmangel oder kurzfristigen Engpässen kann man nicht, wie geplant, nach Hamburg fahren und sich ein Spiel anschauen. Da geht der Beruf vor. Ich muss sagen, die Zeit als Schiedsrichter hat mich geprägt, ich hab das mit vollem Herzblut gemacht. Ich habe lange daran zu knabbern gehabt nicht mehr pfeifen zu können. Mein Bruder Heiko war übrigens als Spieler in der Bundesliga aktiv und musste ebenfalls wegen einer Knieverletzung, bei ihm war es allerdings die Kniescheibe, seine Karriere beenden.

Verfolgen Sie heute noch Eishockeyspiele?

Ja natürlich. Erst vor kurzem war ich zusammen mit meinem ehemaligen Ausbilder Gerd Müller in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin und habe mir das Spiel der Eisbären gegen die Düsseldorfer EG angeschaut. Gerd Müller ist ja als Schiedsdrichterbeobachter in der DEL aktiv. Im Fernsehen verfolge ich einige Spiele und schau mir auch Spiele der Oberliga live an.

Unter den Zuschauern waren Sie nie wirklich beliebt. Schon bei der namentlichen Vorstellung wurden Sie ausgepfiffen. Haben Sie das mitbekommen und wie sind Sie damit umgegangen?

Welcher Schiedsrichter war denn beliebt? (lacht) Im Ernst: Man muss als Schiedsrichter Entscheidungen treffen und zwar gegen beide Teams. Sicherlich gab es einige Mannschaften, die mit mir nicht zurechtkamen. Das ist allerdings etwas, was einem überall im Leben wiederfährt. Als Schiedsrichter geht man immer mit dem Vorsatz in ein Spiel neutral und gerecht Entscheidungen zu treffen. Sicherlich ist es so, dass viele Zuschauer bei Entscheidungen gegen das eigene Team dies natürlich stets anders sehen und pfeifen. Als Schiedsrichter braucht man da ein dickes Fell. Und was die Gesänge und die Pfiffe gegen mich angehen, natürlich habe ich das mitbekommen. Ich habe das aber auf die leichte Schulter genommen, das nicht an mich herangelassen und nur gedacht: „Macht ihr mal“. Wie gesagt: Man braucht ein dickes Fell.

Auf dem Eis darf man nicht zimperlich sein. Du musst dir Respekt verschaffen damit du akzeptiert wirst. Man muss kurz und knackig mit den Spielern reden, nicht lange diskutieren aber auch nicht alles abblocken. Wenn es einer übertreibt, muss der halt für zehn Minuten runter. Aber mit Respekt von den Spielern und dem eigenen Durchsetzungsvermögen kriegt man das hin und wird akzeptiert.

Wie beurteilen Sie die heutigen Schiedsrichter und deren Leistungen?

Wir haben heute einen hohen Standard. Die Jungs heute werden natürlich auch sehr gut ausgebildet und z.B. durch Videos kontinuierlich weiter gebildet.

Das Vier-Mann-System und den Videobeweis haben Sie ja noch miterlebt, wie beurteilen Sie diese großen Veränderungen?

Das Vier-Mann-System finde ich sehr gut und es hat sich voll etabliert, mittlerweile ja auch in der DEL2. Auch den Videobeweis finde ich sehr gut. Ich habe im Frühjahr 2006 ein Viertelfinale zwischen Köln und Düsseldorf geleitet. Bei einem Tor war ich mir nicht sicher, ob das alles korrekt war. Rick Looker war seinerzeit Video-Schiedsrichter. Ich habe mir gedacht: „Der Rick sitzt draußen, der wird das jetzt mit Hilfe der Videobilder für mich entscheiden.“ Das hat mir unglaublich Druck genommen. Man muss auch sagen, in den Trikots der Schiedsrichter stecken Menschen, jeder Mensch macht Fehler und da ist es natürlich sehr angenehm, wenn man über Video noch einmal seine Entscheidung überprüfen kann.

Herr Awizus, vielen Dank für Ihre Zeit und weiterhin alles Gute!

 

 

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