NACHGECHECKT: Auf- und Abstieg

Foto: Grit Büttner
Foto: Grit Büttner

Ein geregelter Auf- und Abstieg ist auch in unserer Redaktion ein vieldiskutiertes Thema, bei dem wir nicht immer einer Meinung sind. Brauchen wir den Auf- und Abstieg wirklich? Die gestrige Pressemitteilung der DEL und DEL2 haben wir zum Anlass genommen das „Für“ und „Wider“ zu betrachten und bitten, dies nicht als vorgefasste Meinung sondern als Diskussionsgrundlage zu betrachten.

 

Nein! Auf- und Abstieg brauchen wir nicht!

Was bringt ein geregelter Aufstieg von der DEL2 in die DEL dem deutschen Eishockey? Gewiss würde die DEL2-Meisterschaft aufgewertet werden, wenn der Meister im Folgejahr in der DEL antreten würde, doch das Eishockey bringt es nicht zwangsläufig weiter. Die Möglichkeit des Aufstiegs würde bei den Top-Teams der DEL2 zu einer wahren Nachverpflichtungswelle im Januar und Februar führen. Jeder muss sich für den Aufstieg rüsten und teure Spieler verpflichten. Wenn Kontrahenten um den Aufstieg nachziehen, beträfe dies bestimmt noch weitere. Die Folge wären mögliche finanzielle Engpässe in der Folgesaison, wenn man den Aufstieg eben nicht schafft. Vieles basiert auf finanzieller Unvernunft. Aber ist es verwunderlich wenn sportlich Verantwortliche zu Kaderveränderungen greifen? Müssen Sie doch stets kurzfristigen und maximalen Erfolg generieren. Langfristige Planungen -auch mal über Jahre hinweg- sind eher selten und finden wenig Akzeptanz bei Fans, Sponsoren und Medien. 

Wir alle schauten gespannt nach Südkorea und freuten uns über die Silbermedaille der deutschen Nationalmannschaft. Erstmalig seit Jahrzehnten gehörte ein deutsches Team zu den Top-3 eines Turniers. Dass keine NHL-Spieler dabei waren zeigte im Turnier das wahre Kräfteverhältnis der Nationen und deren Ligen. Viele Nationalspieler haben bereits in der DEL2 oder den Vorgängern gespielt. Der Grundstein wurde also abseits der DEL gelegt. Bekommen junge Spieler weiterhin dieses Vertrauen, diese Eiszeit, wenn es am Ende des Tages auch um einige Millionen Euro geht? Da ist Zweifel angebracht.

Im Eishockey hat der Auf- und Abstieg zuletzt für Chaos und Insolvenzen geführt. Er hat 1994 die Bundesliga zerstört und die DEL erst möglich gemacht. Überteuerte Spieler, Nachverpflichtungen um nicht abzusteigen gepaart mit wirtschaftlicher Unvernunft haben zu dem Zusammenbruch geführt. Wollen wir das wirklich wieder haben? Wollen wir das Risiko eingehen, dass nicht nur Profiteams von der Eishockeylandkarte verschwinden, sondern auch die dazugehörenden Nachwuchsteams?

Eishockey findet in überregionale Medien -mit Ausnahme von Fachzeitungen- nahezu nicht statt. Gerade große Tageszeitungen stürzen sich auf reißerische Schlagzeilen, wenn etwas Negatives auf oder neben dem Eis passiert. Fakt ist, es gibt Einstiegshürden in die DEL, die sich auf diverse Punkte der Infrastruktur stützen. Fakt ist zudem, dass nicht jedes Team der DEL2 diese meistern könnte. Der Imageschaden für das deutsche Eishockey wäre immens, wenn der DEL2-Meister nicht aufsteigen würde. Vermutlich sogar größer und langfristiger, als wenn man endlich eingestehen und kommunizieren würde, dass der Aufstieg in die DEL nicht gewünscht ist.

Daher: Aktuell ist das deutsche Eishockey für einen Auf- und Abstieg zwischen DEL und DEL2 nicht aufgestellt.

 

JA! Wir brauchen den Auf- und Abstieg!

Jahr für Jahr geht es in der DEL2 um die berühmte goldene Ananas. Gewiss lässt sich auch eine DEL2-Meisterschaft gebührend feiern, aber das Salz in der Suppe eines jeden DEL2 Fans wäre doch der Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse, um sich dort mit den Besten der Besten messen zu dürfen. Das Abenteuer DEL bleibt den Akteuren und Fans jedoch bislang verwehrt. Neue Spieler, neue Gegner, neue Auswärtsfahren –  Fehlanzeige. Stattdessen ist nach der Saison schlichtweg vor der Saison und es geht, abgesehen von einem eventuellen Aufsteiger aus der Oberliga – sicher ist das ja auch nie – gegen dieselben 13 Teams. Ein Aufstieg würde die Meisterschaft in der DEL2 erheblich aufwerten. Dies würde eine erhöhte Medienpräsenz abseits der Fachpresse und den einschlägig bekannten Online-Angeboten mit sich bringen. Wäre die DEL2-Meisterschaft gleichbedeutend mit dem Aufstieg würde sich der Spannungsfaktor der Playoffs um ein Vielfaches erhöhen. Aus all dem folgt zwangsläufig ein erhöhter Zuschauerzuspruch, höhere Anreize für Sponsoren und damit mehr Fernsehgelder und Mehreinnahmen für Liga und Clubs. Gelder, die im deutschen Eishockey dringend benötigt werden.

Aber auch aus Sicht der DEL wäre ein geregelter Auf- und Abstieg ein Gewinn für Sport und Fans. Während sich die Clubs an der Tabellenspitze spätestens Anfang März für die Playoffs wappnen und die Clubs im Mittelfeld noch um den Einzug in die Endrunde oder die Pre-Playoffs kämpfen, herrscht am Tabellenende zwangsläufig Langeweile. Die Teams, die einige Spieltage vor Ende der Hauptrunde keine Chance mehr auf die Playoff-Teilnahme haben können die Runde unaufgeregt zu Ende spielen und schon für die kommende Saison planen. Leider nimmt diese Planung unschöne Formen an, wie wir sie in der abgelaufenen Saison erleben mussten. Clubs am Tabellenende wollten Gehaltskosten sparen und lösten reihenweise Verträge auf um ihren Kader abzuspecken. Neben der Tatsache, dass hier der zahlende Fan an der Nase herumgeführt wird, grenzt dies an Wettbewerbsverzerrung, sollte der personell dezimierte Club noch gegen Mannschaften spielen müssen, für die es im Kampf um die Playoff-Plätze noch um etwas geht.   

Stattdessen wäre doch ein neuer Club, der frischen Wind in die Liga brächte, für DEL Clubs und Anhänger interessanter als Jahr für Jahr Clubs am Tabellenende zu sehen, welche die Saison regelrecht abwickeln. Ebenso brächten Playdowns in der DEL weiterhin Medienpräsenz und Zuschauerzuspruch hervor, was wiederum auch hier finanziell von Vorteil sein dürfte.

Zu guter Letzt bleibt noch zu erwähnen, dass das immer wieder zitierte Vorbild NHL leider nicht taugt um gegen einen Auf- und Abstieg zu argumentieren. Hierfür müssten weitere Strukturen angepasst werden und das komplette Ligensystem umgekrämpelt werden. Ebenso wenig lässt sich die amerikanische Sportkultur mit der deutschen Sportkultur vergleichen. Der sportbegeisterte deutsche Fan sehnt sich nach Spannung und Drama im Auf- und Abstiegskampf. Leider scheint in der bundesdeutschen Sportlandschaft einzig die DEL diesen Wunsch standhaft zu ignorieren.

This article has 1 Comment

  1. Welche Maßnahmen würden das deutsche Eishockey denn ZWANGSLÄUFIG weiterbringen? Müssen alle Maßnahmen diesem einen Ziel untergeordnet werden? Oder darf das deutsche Eishockey auch mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen?

    Wer das deutsche Eishockey voranbringen will, muss auch ganzheitlich denken. Und, wenn man das erreichen will, muss man für die Clubs Anreize schaffen, auch über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und das große Ganze im Auge zu behalten. Ohne diese Anreize wird jeder Club immer zuerst an das eigene Wohl denken und man kann es ihnen noch nicht einmal verübeln. Mag sein, dass Auf- und Abstieg das deutsche Eishockey nicht voranbringen, aber die Wiedereinführung der Verzahnung schadet dem deutschen Eishockey auch nicht.

    Was dem deutschen Eishockey sicherlich schadet, ist finanzielle Unvernunft. Es war ausschliesslich finanzielle Unvernunft, die in der Vergangenheit zu Chaos und Insolvenzen führte und nicht Auf- und Abstieg. Diese Unvernunft ist zu bekämpfen, wo immer sie auftritt. Sie aber als Argument gegen den Auf- und Abstieg aufzuführen, ist ein typisch deutsches Verhalten: statt der vielen Chancen werden nur Gefahren gesehen und letztlich Chancen liegengelassen. Das Argument ist inhaltlich zudem ziemlich dünn, denn Fakt ist, dass finanzielle Unvernunft auch ohne eine Verzahnung möglich ist. Eine fehlende Verzahnung verhindert lediglich zuverlässig, dass Clubs auf-/absteigen, aber nicht, dass Manager falsche Entscheidungen treffen. Es mag zudem sein, dass das Verhalten der DEL-Kellerkinder zum Saisonende hin finanziell vernünftigt ist, aber es ist deswegen noch lange nicht vernünftig.

    Das Fehlen der NHL-Spieler bei Olympia zeigt das wahre Kräfteverhältnis der Nationen? Sorry, aber das ist Polemik und kein Argument. Wie kann etwas absolut wahr sein, wenn wesentliche Bestandteile aus der Betrachtung herausgenommen werden? Das wahre Kräfteverhältnis der Nationen würde man sehen, wenn alle – wirklich alle – Spieler die Möglichkeit hätten, am Wettbewerb teilzunehmen. Und dann würden Nationen wie Deutschland anerkennen müssen, dass es noch viel zu tun gibt.

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