NACHGECHECKT: Harry Lange (EC Bad Nauheim)

  Autor: Kathrin Wolf

 

 

Foto: schlagschuss.de/Büttner

Am Samstag wird es im Colonel-Knight-Stadion in Bad Nauheim hoch hergehen. An diesem Tag steigt „Harry and Friends vs Oberliga Meister 2013“, das Abschiedsspiel von Ex-Stürmer Harry Lange, der jetzt als Co-Trainer des EC Bad Nauheim seinen Platz auf der anderen Seite der Bande hat. Wir haben uns mit ihm unterhalten:

 

 

 

Harry, du hattest nach der Saison 2017/2018 die schwere Entscheidung getroffen deine aktive Karriere zu beenden und bist jetzt Co-Trainer des EC Bad Nauheim. Nach 17 Spielen der Hauptrunde: war diese Entscheidung richtig?

Absolut. Es war eine schwere Entscheidung, aber es ja war ja nicht von heute auf morgen. Ich hatte mir schon die letzten zwei/drei Jahre Gedanken gemacht. Mitte der letzten Saison war für mich dann klar, dass ich aufhören werde. Da hat dann alles gepasst: Es war eine gute Saison, ein guter Abschluss. Für mich persönlich ist es auch gut gelaufen.

War es eine große Umstellung?

Sehr groß. Zum einen machst du nicht mehr das was man liebt, was ich gemacht habe seit ich denken kann. Und am Ende des Tages ist es vielmehr Arbeit und du vermisst halt die Kabine. Mit den Jungs zusammensitzen. Aber für mich war wichtig, dass ich selbst entscheiden kann, wann der Zeitpunkt zum Aufhören gekommen ist. Und das ist mir gelungen.

Wie ist das als Trainer: Freut man sich und leidet hinter der Bande mehr mit?

Du leidest mehr und du freust dich auch mehr. Du weißt ja wie das ist: Als Spieler bist du nach einem Tor oder was auch immer nach spätestens zwei Wechseln wieder dran und musst dich konzentrieren. Die Freude ist jetzt ein bisschen länger und emotionaler, weil du auch weißt und realisierst, wie viel Arbeit dahinter steckt. Für jedes einzelne Spiel, wenn du dich auf den Gegner vorbereitest, wenn du die eigene Mannschaft vorbereitest.

Es ist auch viel mehr Kopfarbeit?

Sehr viel mehr Kopfarbeit, sehr viel Videostudium und -analyse. Vom körperlichen ist es natürlich deutlich weniger. Man macht sich viel mehr Gedanken, auch im Austausch mit dem Trainer. Aber mir macht es Spaß.

Foto:schlagschuss.de/Büttner

Du kennst ja einen Teil der Mannschaft noch als Spieler. Siehst du dich da jetzt als Respektsperson?

Das war so eine Sache, wo ich auch im Vorfeld gegrübelt habe, wie das wird. Aber mir ist zu Gute gekommen, dass ich, glaube ich, schon als Spieler so eine Art Respektsperson war. Ich hab schon das Gefühl, dass die Jungs drauf hören wenn ich etwas sage. Aber am Ende des Tages bin ich der Co-Trainer und nicht der Trainer. Ich sehe mich da als Bindeglied zwischen Mannschaft und Coach. Da gibt es überhaupt keine Probleme.

Christof Kreutzer ist als Cheftrainer auch neu in Bad Nauheim. Wie klappt euer Zusammenspiel?

Super. Wir kannten uns vorher nicht, haben uns aber, als dann alles feststand, sehr oft ausgetauscht. Ich könnte es mir nicht besser wünschen.

Am Samstag steht jetzt dein Abschiedsspiel an. Freust du dich?

Ich freu mich sehr. Es ist noch mal so ein allerletztes Spiel. Aber ich freu mich viel mehr, dass der Verein mir die Möglichkeit dazu gegeben hat. Dass ich Spieler einladen konnte, die ich vielleicht sonst nicht noch einmal wiedergesehen hätte. Zum Beispiel auf Spieler, mit denen ich in Graz lange zusammen gespielt habe. Aber ich freue ich mich auf alle die kommen unglaublich.

Und du kannst endlich einmal mit deinem Bruder in einer Mannschaft spielen.

Das ist echt ein Traum, der bisher nie in Erfüllung gegangen ist. Bis mal auf ein Drittel in Graz, als mein Bruder ganz jung war und eingewechselt wurde. Aber gefühlt war es nie und das ist voll schön.

Es wird sicher emotional?

Wahrscheinlich. Aber ich weiß es nicht. Ich bin generell keiner, der sich eine Rede vorschreibt. Wenn, dann kommt es so wie ich bin: Gerade heraus. Was dann raus kommt, ob Tränen fließen…keine Ahnung, da lass ich mich überraschen.

Woran denkst du in deiner Karriere gern zurück?

Ja, garantiert an die österreichischen Meistertitel mit dem Klagenfurter AC. Aber auch der Oberligatitel und der Aufstieg mit Bad Nauheim. Das sind Ereignisse, zu denen wirst du immer eine besondere Beziehung haben. Auch der Wechsel von Österreich nach Deutschland war so ein Ding wo ich nicht wusste, wie wird das werden. Aber auch da hatte ich Glück und wurde in Dresden von vielen willkommen geheißen. Zwar war der Start schwierig, aber ich habe bei den Eislöwen meinen besten Freund, den Strauchi (Anm.: Patrick Strauch – Co-Trainer der U20-Mannschaft des Kölner EC), kennengelernt. Mit ihm bin ich dann zusammen weiter gezogen nach Bad Nauheim. Und er kommt am Samstag natürlich auch.

Man sagt ja immer, wenn man nach der aktiven Zeit am Standort bleibt, hat man dort eine zweite Heimat gefunden. Trifft das bei dir auch zu?

Ich fühle mich in Bad Nauheim absolut wohl. Zweite Heimat…Ich war sieben Jahre in Graz…Und Graz war wirklich auch wie eine zweite Heimat. Deswegen: Ich habe das Glück gehabt, dass ich in 18 Jahren Eishockeykarriere nur in vier Mannschaften gespielt habe und davon in dreien richtig lang. Da ist Platz für Klagenfurt, Graz und Bad Nauheim. Da bin ich überall mit dem Herzen dabei.

Harry, vielen Dank. Wir wünschen dir alles Gute und ein tolles Spiel am Samstag.

 

 

 

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